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Albrecht Wezler
Explikation des Satzes suvarcala adityam anu paryeti für semantisch überzeugender halten; denn daß das an Lactuca scariola (korrekt heute: serriola) Linné vie anderen sog. Kompaßpflanzen zu beobachtende Phänomen der Ausrichtung der Blätter senkrecht in die Nord-Süd-Richtung in direkten Sonnenlicht, d.h. wenn und solange die Sonne scheint bzw. an höchsten steht, als ein "der Sonne nach Herungehen/Sichbewegen bezeichnet worden sein soll, leuchtet nicht nur auf Anhieb
nicht ein.
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Nun wird man die Stärke des Arguments, das durch die Erläuterung Sivaramendras gegeben ist, nicht überschätzen, sondern u.a. in Rechnung stellen, daß er (2. Hälfte des 17. Jhdts.25) nahezu 2000 Jahre jünger ist als Patanjali. Freilich müßte man dann annehmen, daß das beobachtete Phänomen, das der Aussage über diriga in Mahabhasya zugrunde liegt, dem erheblich jüngeren Kommentator nicht (mehr) bekannt var oder aus irgendwelchen Gründen von ihn durch seine phantastische Deutung ersetzt wurde, obwohl der so bezeichnete Baum in ganz Indien verbreitet ist. Daß Bäume in dem von. Sivaranendrasarasvati explizierten Sinne "schlafen", muß als ausgeschlossen gelten Geht man aber davon aus, daß Skt. iriga als Albizzia Lebbek 27 Bentham richtig identifiziert ist, und diese Annahme nacht auch Wilhelm Rau, dann kann man sich mit der Deutung, Patanjalis Aussage beziehe sich auf die Blüte dieses Baumes, deshalb nicht befreunden, weil von einer nach unten gerichteten Schlafstellung seiner gelben Blütenstände
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25. Gemäß P.-S. Filliozats, "Introduction" zu: Mahabhaşya Pradipa Vyakhyanani, Adhyaya 1 Pada ahnika 1-4, ed. par M. S. Narasimhacharya, Pondichéry 1973, p. XIII..
26. "The praying palm tree" von Faridpur, der "lay down in the evening when the temple bells called the people to prayer and again, in the morning stood erect" und von dem Sir Jagadish Chander Bose in einem Vortrag in Januar 1918 berichtete (s. z.B. Sir Jagadish Chander Bose. His Life, Discoveries and Writings, Madras (G. A. Natesan and Co.) o.J., p. 33 and 143ff.) war gewiß ein einmaliges botanisches Kuriosum.
27. In den Wörterbüchern findet man noch die alte Bezeichnung Acacia Siris
sa Buch.; zu den Synonyma vgl. G. J. Meulenbeld, The Madhavanidana and its chief commentary..., Leiden 1974, p. 603.
Naturbeobachtungen
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nichts bekannt ist 25, Beobachtet wurde? 29 an ihm jedoch ein anderes Phänomen, daß sich nämlich seine Fiederblättchen in Schlafstellung senken, und man wird deshalb dafürhalten, daß Patanjali eben diese Erscheinung meint. In diesem Zusammenhang lohnt es sich, einen Verweis G. P. Majumdars aufzugreifen. In einem bestimmten logiktheoretischen Zusammenhang führt Dharnottara in seinen Kommentar zu Dharmakirtis Nyaya bindu das Beispiel an31: cetands taravaḥ svapád, "die Bäume sind cetana, weil sie schlafen", und benerkt anschließend, daß "der in Sich-Zusammenziehen der Blätter charakteristisch bestehende Schlaf in einem Teil [des Subjekts des Schlusses, d.h. der Bäume] nicht vorkommt" (... pattrasankoca lakeaṇaḥ svapa ekade se na siddhaḥ), "denn nicht alle Bäume weisen das Sich-Zusammenziehen der Blätter in der Nacht auf, sondern nur einige/gewisse" (na hi sarve vrksă râtrau pattrasa kocabhájaḥ kim tu kecid eva) 32. Dem buddhistischen Erkenntnistheoretiker war also bekannt, daß bestimmte Bäune nachts schlafen und diese Feststellung sich auf die Beobachtung stützt, daß sich ihre Blätter "zusammenziehen". Da Albizzia Lebbek Bentham zu dieser Gruppe gehört, muß es als sehr wahrscheinlich gelten, daß auch Patanjali eben dieses Phänomen einer auffälligen Schlafstellung im Auge hatte.
Was aber die suvarcala genannte Pflanze angeht, so scheint mir die folgende Argumentation noch am plausibelsten: Liegt der Aussage bei Patanjali keine 'Naturbeobachtung zugrunde oder eine, die sich als solche nicht direkt herausdestillieren läßt, dann taugt sie nicht zur Identifizierung, kann umgekehrt allenfalls dann verstanden werden, wenn die suvarcală aufgrund anderer Quellen identifiziert worden ist, - ob dabei nur ein Aquivalent oder deren mehrere gefunden werden. Unterstellt man andererseits, daß von Patanjali eine tatsächlich beobachtete Erscheinung verbalisiert
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29. Ich stütze mich hier und in folgenden auf Auskünfte, die mir Herr Dr. Heinrich Nothdurft, Hauptkustos am Institut für Allgemeine Biologie und an Botanischen Garten der Universität Hamburg, freundlicherweise gegeben hat und für die ich ihm auch an dieser Stelle herzlich danken möchte.
Von Gärtnern des Botanischen Gartens in Hamburg.
Vanaspati. Plants and Plant-Life in Indian Treatises and Tradition, Calcutta 1927, p. 49.
31. Pandita Durveka Miśra's Dharmottarapradipa (Tibetan Sanskrit Work Series Vol. II), ed. by Pdt. Dalsukhbhai Malvania, Patna 1955, p. 92
1. 7.
32. Durveka Misra expliziert: tintiḍikaprabhṛtayah. Zu tintiḍíká s. R. P. Das, o.c. (Anm. 19) Vers 253 Anm. 3.